Gedanken über Frauen

Jelly und ich

Neulich habe ich wieder einmal Rückschau gehalten und dabei festgestellt, dass in den letzten mehr als 30 Jahren fast ausschließlich sehr, sehr seltsame Exemplare der Gattung «Frau» meinen Lebensweg gekreuzt haben – und dies mehr oder weniger lange.

Da gab es eine (erwachsene) Dame, die konnte nachts gar nicht einschlafen, wenn sie nicht an ihrem Daumen nuckelte. Mit anderen Worten: sie fand nur Schlaf, wenn sie vorher ihren Daumen in dem Mund gesteckt hatte und daran genüsslich saugte.

Eine andere Dame wiederum war nicht dazu in der Lage, mit mir ernste, wichtige Gespräche zu führen, zum Beispiel über unsere Beziehung. Stattdessen erstarrte sie jedes Mal spontan, verzog sich in eine Ecke und verstummte. In der Regel stundenlang.

Von noch einer anderen erfuhr ich, dass sie als Jugendliche mal eine längere Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden war. Warum? Sie hatte am Dachfenster ihres Jugendzimmers immer wieder schreckliche, Furcht erregende Fratzen gesehen.

Eine andere Dame lehrte mich einen neuen Begriff: Emetophobie – «die Angst vor dem Erbrechen». Diese Angst löste bei ihr völlig unvermittelt von einer Sekunde zur nächsten starke Panikattacken aus. Daher verließ sie das Haus auch nie ohne Kotztüte.

Bei einer anderem Dame hätte ich mir gewünscht, sie hätte an Emotophobie gelitten. Denn sie stopfte sich zwei-, dreimal pro Tag jeweils zwei Stunden lang bis zum Abwinken mit Essen voll – nur um direkt danach das kaum Verdaute wieder ins Klo zu kotzen.

Sehr gut erinnere ich mich auch noch an die bildhübsche Mulattin: eine indisch-holländische Mischung. Äußerst exotisch. Ein ehemaliges Model. Leider hatte sie ein riesiges Defizit: sie war eine große Kifferin vor dem Herrn! Und Drogen gehen nun mal gar nicht.

Last but not least: die kleine sexsüchtige Fickmaus – der Fleisch gewordene Traum eines jeden Mannes. Aber nur «eigentlich». Denn: Welcher Mann will schon auf Dauer ein promiskuitives Frauenzimmer als Freundin haben? Ich wollte das dann lieber doch nicht.

Noch mehr Beispiele gefällig? Nein, sie sind im Grunde genommen völlig unwichtig. Heute lächle ich nur noch ganz entspannt über diese irren Geschichten.

Natürlich habe ich gefragt, warum ich in der Vergangenheit fast nur solches Klientel angezogen habe. Und warum gerade dieses Klientel mich dann offenbar auch noch so «anziehend» fand. Die Antwort liegt auf der Hand. Also, selbst mal nachdenken!

Heute bin ich heilfroh, dass ich diesen ganzen Irrsinn hinter mir gelassen habe und seit mehr als zwei Jahren etwas völlig anderes erlebe, also das absolute Gegenteil: nämlich etwas rundum Gesundes und Normales. Das habe ich mir aber auch echt verdient!

Keine dämlichen Lügen mehr. Keine beziehungszerstörenden Manipulationen mehr. Kein verwirrendes Durcheinander mehr. Auch kein stressiger Gehirnfick mehr. Sondern einfach nur unaufgeregter purer Genuss, den ich mir nie hätte vorstellen können.

Und dafür danke ich dieser wundervollen Frau:

Ich werde diese Frau heiraten. Und meinen Lebensabend mit ihr zusammen verbringen. In Thailand. Nicht schon heute, morgen oder übermorgen. Aber auch nicht erst in zehn Jahren. Sondern noch vor ihrem 40. Geburtstag. Das ist ausgemachte Sache!

Ich sehe mich schon jetzt mit ihr auf einer Bank vor einem Haus im Isaan sitzen. Ein gutes Glas Wein in der Hand. Die Sonne sticht. Ein paar einheimische Kinder tollen vor uns auf der Straße herum. Und ich denke so zurück an Deutschland: „Nein, nie mehr!“

Ich werde gehen. Und nicht mehr zurückkommen.

Über Rainer Hornberger 26 Artikel
Geboren in München (1966). Blogger mit Herz und Hirn. Frankreichfan - und Vater von drei Kindern. Rechtschreib-Nazi aus Überzeugung und mit Leidenschaft. Das beschreibt mich gut.